Familienrecht


Ehescheidung

Wenn Ihre Ehe gescheitert ist und Sie mindestens ein Jahr getrennt leben, kann Antrag auf Ehescheidung gestellt werden.

Um eine Scheidung beantragen oder aktiv im Schei­d­ungsverfahren selbst Anträge stellen zu können, benötigen Sie zwingend einen Rechtsanwalt. Einen gemein­samen Schei­d­ungsanwalt gibt es nicht. Die Eheleute treten formal bei der Scheidung als gegne­rische Parteien auf, auch wenn sie sich hinsichtlich der Scheidung und deren Folgen einig sind. In solchen Fällen kann es ausreichen, wenn nur ein Ehegatte bei der Scheidung anwaltlich vertreten ist. Der andere Ehegatte sollte sich aber in jedem Fall mindestens einmal anwaltlich beraten lassen.

Was ist, wenn mein Partner nicht geschieden werden will?

Das Familiengericht wird die Ehe scheiden, wenn die Ehe gescheitert ist, also  die Lebensgemeinschaft nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wiederherstellen. 

Spätestens nach 3 Jahren Trennung gilt die Ehe als gescheitert. Auf eine Zustimmung kommt es nicht mehr an. 

Aber auch nach einem Trennungsjahr kann die Ehe ohne Zustimmung geschieden werden, wenn dargelegt werden kann, dass mit einer Versöhnung nicht mehr zu rechnen ist. Das nachzuweisen ist bei hoch streitigen Trennungen nicht schwer.


Wir leben schon lange getrennt, aber sie kocht noch für mich, dafür kümmere ich mich noch um das Auto und die Finanzen.“

Eine Trennung im Rechtssinn bedeutet eine Trennung von Tisch und Bett- eine räumliche Trennung ist nicht notwendig.

Theoretisch kann das Trennungsjahr auch innerhalb einer Wohnung erfolgen- wesentlich ist, dass nach außen, also für alle Freunde, Bekannten, Nachbarn und sonstige Außenstehende klar erkennbar ist, dass keine Gemeinsamkeiten mehr gegeben sind. Praktisch scheitern Trennungen innerhalb des Hauses/ der Wohnung manchmal daran, dass die damit verbundene emotionale Belastung unterschätzt wird oder eine echte Trennung gar nicht vorliegt. Gerade mit der Trennung "vom Tisch" haben viele Paare ihre Schwierigkeiten: Bestehende Gewohnheiten und Abhängigkeiten aufzugeben fällt vielen schwerer als man denkt. Regelmäßige Mitversorgung durch Kochen, Waschen, Kaufen und gemeinsame Mahlzeiten stehen einer echten Trennung ebenso entgegen wie die fortgeführte gemeinsame Verwaltung der Finanzen. 


"Wir wollen schnell geschieden werden, die Trennung prüft doch keiner nach!"
Richtig, das Gericht wird einen übereinstimmend angegebenen Trennungszeitpunkt nicht nachprüfen- wenn es keinen Anlass dazu hat.Von solchen Verabredungen rate ich dringend ab! 

Zum einen handelt es sich um einen Prozessbetrug und ist strafbar. Zum anderen begibt man sich in wechselseitige (erneute) Abhängigkeit: man teilt ein strafbares Geheimnis miteinander. Gerade Gemeinsamkeiten und Abhängigkeiten will man doch durch die Ehescheidung beenden. Und letztlich dient das Trennungsjahr der Besinnung: so manchem Paar ist im Trennungsjahr aufgegangen, dass sie mehr miteinander verbindet, als man im Alltag und im Streit dachte. 

 

Versorgungsausgleich

Wenn Sie keinen Ehevertrag geschlossen haben, ist mit der Ehescheidung der Versorgungsausgleich durchzuführen. 

Das bedeutet, dass die in der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften (gesetzliche und private Renten) wechselseitig ausgeglichen werden. 

Der Versorgungsausgleich kann unterbleiben, wenn die Ehe weniger als 3 Jahre bestand, oder nur geringe Anrechte beiderseits vorhanden sind, oder die Eheleute den Versorgungsausgleich durch notariell beurkundete Vereinbarung ausgeschlossen haben. 

In letzteren Fall bedarf es der Genehmigung der Vereinbarung durch das Familiengericht. 


Kindesunterhalt

Kinder haben einen Anspruch auf Unterhalt bis zum Abschluss einer Berufsaus­bildung. 

Betreut ein Elternteil ein minder­jähriges Kind, leistet er sogenannten Naturalunterhalt durch Pflege, Betreuung, Wohnung, Kleidung, Mahlzeiten. Der nicht betreuende Elternteil schuldet den sog. Barun­terhalt. Dessen Höhe richtet sich nach seinem Einkommen, dem Alter des Kindes und der Zahl seiner Unter­halt­sverp­flichtungen.

Ab Eintritt der Volljährigkeit des Kindes sind grundsätzlich beide Eltern zur Leistung von Barunterhalt verpflichtet, und zwar entsprechend der Höhe ihrer jeweiligen Einkünfte. Das gilt auch für den Elternteil, bei dem das volljährige Kind wohnt.

Die Rechtsprechung orientiert sich zur Bemessung der Unterhaltsverpflichtung an den Tabellen und Leitlinien, die von den Oberlandesgerichten erstellt wurden (Düssel­dorfer Tabelle). Je nach Alter und Einkommen des Unterhaltsverpflichteten ergibt sich so ein pauschaler Unterhalt, der sogenannte Tabellenunterhalt. Für in Ausbildung befindliche volljährige Kinder sehen die Tabellen ebenfalls Pauschalen vor.

War ein Kind schon vor der Trennung mit seinen Eltern privat kranken­ver­si­chert, gehört die Prämie für die Kranken­ver­si­cherung zum angemessen Unterhalt und ist vom barun­ter­halt­sp­flich­tigen Elter­nteil zusätzlich zu tragen.

Zum sogenannten Tabel­le­nun­terhalt kann ein besonderer Bedarf dazukommen, und zwar als Mehr- oder Sonder­bedarf. 

Mehrbedarf sind Ausgaben, die regelmäßig und vorhersehbar auftreten, wie zum Beispiel (ständiger) Nachhil­feun­ter­richt, Schulgeld, Kranken­ver­si­cher­ungskosten. 

Sonder­bedarf sind unregelmäßige, außerordentlich hohe Ausgaben, die überraschend auftreten und deren Höhe nicht vorher einschätzbar waren (Kosten für die Anschaffung eines teuren Musikins­tru­ments, Schüle­raustausch etc.). 

Für Mehrbedarf und Sonder­bedarf haben die Eltern grundsätzlich anteilig nach ihren Einkom­mens­ver­hält­nissen aufzukommen (BGH, NJW 2008, 1816; NJW 2008, 2337; OLG Celle, FamRZ 2003, 323; Scholz, FamRZ 2006, 737) und (BGH, NJW 2006, 1509).

Das Kind hat einen Anspruch auf die Errichtung eines Unter­halt­stitels. Unter­halt­stitel, die eine Zwangsvolls­treckung ermöglichen, wenn der Verpflichtete nicht zahlt, sind z. B. Jugen­dam­tsur­kunden, ein notarielles Schul­da­ner­ken­ntnis oder eine gericht­liche Festsetzung des Unter­halts in Form eines Vergleichs, Urteils, Beschlusses oder einer einstwei­ligen Anordnung. 

Am günstigsten und einfachsten ist es für den Unter­halt­sp­flich­tigen den Kinde­sun­ter­halts beim zustän­digen Jugendamt kostenlos anzuerkennen. Vor Errichtung eines Unterhaltstitels sollten Sie sich stets anwaltlich beraten lassen, denn: Ein bestehender Unterhaltstitel kann nur durch das Familiengericht abgeändert werden- sofern die Beteiligten nicht einvernehmlich einen neuen Titel Zug um Zug gegen Herausgabe der vollstreckbaren Ausfertigung des "Alttitels" errichten. Die Unterhaltsberechnung des Jugendamts weicht oft von einer anwaltlichen Unterhaltsberechnung ab.


Trennungsunterhalt

Während der Trennungszeit, mindestens für das erste Trennungsjahr, sollen die ehelichen Lebensverhältnisse aufrecht erhalten werden, um eine Versöhnung zu erleichtern. 

Die Höhe des Trennungsunterhalts richtet sich nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Ehegatten und ihrer Lebensumstände, zum Beispiel nach der Anzahl weiterer Unterhaltsberechtigter. Eine umfassende Beratung und Berechnung ist für die zutreffende Bestimmung des Unterhaltsanspruchs unerlässlich.

Die Berechnung des Trennungsunterhalts erfolgt in drei Schritten:

  • Ermittlung des Unterhaltsbedarfs des unterhaltsberechtigten Ehegatten
  • Ermittlung der Bedürftigkeit des Unterhaltsberechtigten
  • Ermittlung der Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen

Grundlage der Bedar­fser­mit­tlung sind die ehelichen Leben­sver­hält­nisse. Der Unter­halt­s­bedarf eines Ehegatten richtet sich nach den gemein­samen Einkünften der Eheleute. Bei einer Doppel­ver­die­nerehe ergibt er sich also aus der Summe der beidersei­tigen Nettoei­nkünfte. Die gemein­samen Nettoei­nkünfte der Eheleute abzüglich der berück­sichti­gungs­fähigen Verbind­lichkeiten werden je zur Hälfte zwischen den Eheleuten aufge­teilt.

Im zweiten Schritt wird die Bedür­ftigkeit des Unter­halt­s­be­rechtigten geprüft. Bedürftig ist ein Ehegatte nur dann, wenn er seinen zuvor ermit­telten Unter­halt­s­bedarf nicht durch eigene Einkünfte decken kann. Die Differenz zwischen dem ermit­telten Bedarf abzüglich der eigenen Einkünfte des Berechtigten ergibt die Höhe des Unter­halt­sans­pruchs. Auch wenn also keine Kinder zu betreuen sind und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt gegeben sind, besteht für eine Hausfrau keine Pflicht, ihr eigenes Geld zu verdienen. 

Im dritten Schritt ist zu prüfen, ob der Unter­halt­sp­flichtige auch in der Lage ist, den Unterhalt aus seinem Nettoei­nkommen zu zahlen. Das ist beim Trennungsun­terhalt nur dann der Fall, wenn die nach der Unter­halt­szahlung verblei­benden Einkünfte noch seinen eigenen Bedarf decken. Das heißt, er muss seinen eigenen Leben­sun­terhalt nach Zahlung von Kindes- und Trennungsun­terhalt noch bestreiten können. Beim Ehegat­te­nun­terhalt steht dem Unter­halt­sp­flich­tigen ein Selbst­behalt­s­betrag von derzeit monatlich 1.100 € zu, der ihm nach Unter­halt­szahlung noch verbleiben muss. Unter Umständen kann daher der Unter­halt­s­be­rechtigte nicht seinen vollen Unterhalt beans­pruchen, wenn der Zahlungsp­flichtige seinen Leben­sun­terhalt nicht mehr aus seinem verblei­benden Nettoei­nkommen bestreiten kann.

Ein wirksamer Verzicht auf laufenden und künftigen Trennungsun­terhalt ist nicht möglich. Dies gilt sowohl für einen vollstän­digen als auch für einen teilweisen Verzicht.

Trennungsun­terhalt kann vom Unter­halt­sp­flich­tigen auch rückwirkend verlangt werden. Aller­dings erst ab dem Zeitpunkt, in dem er aufge­fordert wurde, Trennungsun­terhalt zu bezahlen oder Auskunft über seine Einkünfte zur Berechnung des Unter­halt­sans­pruchs zu erteilen. 

Der Unter­halt­s­be­rechtigte sollte daher den Trennungsun­terhalt oder den Auskun­f­tsans­pruch umgehend nach der Trennung schriftlich geltend machen. Sonst ist der Unterhalt für die vergan­genen Monate verloren. Ich berate Sie gern darüber, wie diese Auffor­derung richtig formu­liert wird, damit Ihnen keine berechtigten Ansprüche entgehen.

Zur Berechnung des Unter­halt­sans­pruchs sind Eheleute verpflichtet, sich gegen­seitig über ihr Einkommen und Vermögen Auskunft zu erteilen und diese zu belegen. Bei Einkünften aus nichtselbstän­diger Arbeit wird in der Regel die Vorlage der letzten 12 Gehalt­s­beschei­ni­gungen sowie die letzte Steue­rerklärung und der dazu gehörige Steuer­besc­heid verlangt.

Wegen der schwan­kenden Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit erstreckt sich hier die Auskun­f­tsp­flicht über mehrere Jahre. In der Regel müssen u. a. die Bilanzen oder Gewinn- und Verlus­trechnungen für die 3 bis 5 Jahre sowie die dazugehörigen Einkom­mens­teu­e­rerklärungen und Einkom­mens­teu­er­besc­heide vorgelegt werden.

Der Zeitraum, für den Trennungsun­terhalt beans­prucht werden kann, endet mit der Rechtskraft der Scheidung. 

Danach besteht mögli­cher­weise ein Anspruch auf Ehegattenunterhalt.

Die Höhe des Trennungsun­ter­halts kann sich im Laufe der Zeit ändern – z. B. durch

  • Änderung der Einkünfte des Ehegatten etwa wegen Arbeitslosigkeit, Beförderung oder Krankheit
  • Wegfall von Verbindlichkeiten
  • Erhöhung oder Wegfall des vorrangig in Abzug gebrachten Kindesunterhalts
  • neue gleichrangige Unterhaltspflichten, zum Beispiel für ein Kind aus einer neuen Partnerschaft


 „Ich habe mich getrennt. Jetzt stehe ich mit den Kindern ohne Geld da.“

Notfall- Checkliste:

  1. Rechtsanwalt                     Beratung in Anspruch nehmen/ umfassend Mandat erteilen
  2. Agentur für Arbeit:             Arbeitslosengeld II/ Sozialhilfe/ Wohngeld beantragen / Vorschuss beantragen
  3. Jugendamt:                        Beistandschaft für Kinder beantragen, Unterhaltsvorschuss beantragen
  4. Kindergeldkasse:                Auszahlung Kindergeld auf sich beantragen 

Warum zuerst zum Anwalt? Ich habe alle notwendigen Formulare/ Adressen vor Ort und im Servicebereich und kann Ihnen genau sagen, was Sie wo beantragen können. Ich habe einen Überblick über die verschiedenen beantragbaren Leistungen und koordiniere/ vermittle zwischen den Behörden, denn das Jugendamt spricht sich zum Beispiel nicht mit der Agentur für Arbeit ab. 

Für meine Tätigkeit können Sie Beratungs- und Verfahrenskostenhilfe beim Amtsgericht beantragen. 

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt hier in der Regel allenfalls die Kosten einer Erstberatung, gern kläre ich das für Sie ab.  


„Ich habe mich getrennt und komme nicht mehr in die Wohnung. Die Schlüssel wurden ausgetauscht!“ 

Notfall- Checkliste: 

  1. Rechtsanwalt                    Beratung in Anspruch nehmen/umfassend Mandat erteilen      
  2. Bank                                eigenes Konto einrichten bzw. Verfügungsberechtigung aufheben,                                                                    Gehaltszahlung auf eigenes  Konto veranlassen 

Zunächst sollten Sie versuchen, bei Freunden oder der Familie vorläufig unterzukommen und bei entsprechenden finanziellen Verhältnissen eine Ferienwohnung anmieten.

Warum zuerst zum Anwalt? Ich bespreche mit Ihnen ausführlich die konkrete Situation und erläutere Ihnen verschiedene mögliche Vorgehensweisen.  Natürlich besteht die Möglichkeit mittels gerichtlicher Hilfe im Wege eines Eilverfahrens wieder Zutritt zur Wohnung zu erhalten und diese unter Umständen auch zur alleinigen Nutzung zugewiesen zu bekommen. 

Ob sich diese Möglichkeit für Sie anbietet, entscheiden Sie nach unserer Besprechung. 

Für meine Tätigkeit können Sie Beratungs- und Verfahrenskostenhilfe beim Amtsgericht beantragen. 

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt hier in der Regel allenfalls die Kosten einer Erstberatung, gern kläre ich das für Sie ab. 


Ehegattenunterhalt

Der Anspruch auf nachehelichen Unterhalt entsteht mit der rechtskräftigen Scheidung. 

Der nacheheliche Unterhalt ist keine Fortsetzung des Trennungsunterhalts und muss daher als neuer eigenständiger Unterhaltsanspruch auch neu geltend gemacht und beantragt werden.

Nachehe­licher Unterhalt kann rückwirkend verlangt werden ab dem Zeitpunkt, an dem der Unter­halt­sp­flichtige nach der rechtskräf­tigen Scheidung aufge­fordert wurde, den nachehe­lichen Unterhalt zu bezahlen oder Auskunft über seine Einkünfte zu erteilen. Diese Auffor­derung muss die Mitteilung beinhalten, dass der sich aus der Auskunft ergebende nachehe­liche Unterhalt verlangt wird. Diese Forderung kann jedoch erst nach der rechtskräftigen Scheidung gestellt werden und nicht vorher! 

Nach der Ehescheidung besteht grundsätzlich die Verpflichtung eines jeden Ehegatten selbst für sich zu sorgen. 

Hiervon gibt es aber zahlreiche Ausnahmen. 

Die wichtigste Ausnahme ist der Unterhalt wegen Betreuung gemeinsamer Kinder. Seit der Unterhaltsreform im Jahr 2008 können verbindliche Angaben, ab welchem Kindesalter ein betreuender Elternteil wie viel Wochenstunden zu arbeiten hat, nicht mehr angegeben werden. Die Rechtsprechung ist umfangreich und uneinheitlich. Eine umfassende Beratung und Aufarbeitung der ehelichen Lebensverhältnisse ist notwendig. Grundsätzlich ist die Höhe des Ehegattenunterhalts von den beiderseitigen Einkommens- und Vermögensverhältnissen und den ehelichen Verhältnissen abhängig. 

Der nachehe­liche Unterhalt kann durch Einmalzahlung abgefunden werden. 

Die Ehepartner können auf nachehe­liche Unter­halt­sans­prüche auch verzichten oder anderen Verein­ba­rungen – anders als über den Trennungsun­terhalt – hierüber abschließen.

Jeder Unterhaltsanspruch kann zeitlich befristet und/ oder begrenzt werden, es sei denn der Unterhaltsberechtigte kann einen sogenannten ehebedingten Nachteil beweisen. Ehebedingte Nachteile verhindern eine Begrenzung und/ oder Befristung des nachehelichen Unterhaltsanspruchs. Ein ehebedingter Nachteil liegt vor, wenn der Unterhaltsberechtigte beim „Wegdenken der Ehe“ heute wirtschaftlich besser stünde, zum Beispiel weil eine Ausbildung angefangen/ beendet wurde, eine Weiterbildung erfolgt wäre, keine Kinderziehungszeiten eingetreten wären usw. Auch eine lange Ehedauer von 25 und mehr Jahren kann einer Befristung entgegenstehen.

 

Zugewinnausgleich

Die Ehegatten leben im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nicht durch Ehevertrag etwas anderes vereinbaren. Das Vermögen des Mannes und das Vermögen der Frau werden nicht automatisch gemeinschaftliches Vermögen der Ehegatten; das gilt auch für Vermögen, das ein Ehegatte nach der Eheschließung erwirbt. Der Güterstand der Zugewinngemeinschaft bedeutet daher grundsätzlich eine Gütertrennung, so dass jeder Ehegatte eigenes Vermögen erwerben kann. Die Besonderheit der Zugewinngemeinschaft besteht darin, dass ein Ausgleich unter den Ehegatten vorzunehmen ist, wenn die Gemeinschaft endet, insbesondere wenn die Ehe der Parteien geschieden wird. 
Grundgedanke des Zugewinnausgleichs ist, dass auch der Ehegatte, der in einer arbeitsteiligen Gemeinschaft nicht unmittelbar das Erwerbsvermögen beischafft, sondern etwa durch Haushaltsführung und Kindererziehung dem anderen den Rücken stärkt, damit dieser die notwendigen Einkünfte erzielt, aus denen das Vermögen erworben wird, gleichermaßen zu beteiligen ist am Vermögensausgleich, wenn die Gemeinschaft aufgehoben wird. 
Vermögen
 
Gemeinsames Ehegattenkonto: nach Trennung halbe-halbe
Gibt es keine andere Vereinbarung, sind Ehepartner an einem gemeinsamen Konto je zur Hälfte beteiligt. Nach einer Trennung darf daher ein Ehepartner auch nur maximal die Hälfte des Kontoguthabens abheben.
Hebt ein Ehepartner nach der endgültigen Trennung mehr als die Hälfte vom gemeinsamen Konto ab, hat der andere einen Anspruch auf Ausgleich. Ein solcher Anspruch besteht nur dann nicht, wenn die Abhebung Zwecken dient, mit dem der andere Partner mutmaßlich einverstanden wäre, zum Beispiel für den Unterhalt der "Restfamilie". 

Bei Trennung kein Anspruch auf Übertragung des Schadensfreiheitsrabatts

Grundsätzlich kann eine Rechtspflicht der Ehepartner zur ehelichen Lebensgemeinschaft und zur Verantwortung füreinander dazu führen, dass ein Ehepartner verpflichtet ist, den vom anderen erzielten Schadensfreiheitsrabatt im Falle der Trennung zu übertragen. Dieser Anspruch besteht dann, wenn der Schadensfreiheitsrabatt nur formal im Vermögen des einen Ehepartners entstanden ist, während der andere ihn durch die tatsächliche Nutzung des Fahrzeugs "verdient" hat. Dies sei jedoch nicht der Fall, wenn die geschätzte Nutzungsquote des Pkw von 90 Prozent betrage, eine eindeutige Zuordnung des Fahrzeugs ist dadurch nicht gegeben (Beschluss des Ober-landesgerichts Hamm vom 13. April 2011 (AZ: II-8 WF 105/11).

 

Umgangsrecht

Jeder Elter­nteil hat ein Recht und die Pflicht auf Umgang mit seinem Kind. Das kann nur (gerichtlich) ausge­schlossen werden, wenn es zum Wohl des Kindes erfor­derlich ist. Das Kind selbst hat ebenfalls ein Recht auf Umgang mit jedem Elter­nteil. Zum Umgang gehört neben den persön­lichen Begeg­nungen auch der Brief-, E-Mail- und Telefon­kontakt.

Das Umgangsrecht dient dazu, die Eltern-Kind-Beziehung aufrecht zu erhalten und zu fördern. Das Umgangsrecht gibt dem Berechtigten in erster Linie die Befugnis, das Kind in regelmäßigen Abständen zu sehen und zu sprechen. Die Ausgestaltung des Umgangsrechts ist immer eine Einzelfallsentscheidung, die sich am Kindeswohl und den konkreten Umständen orientiert. Es gibt keine verbindlichen Regelungen ab welchem Alter z.B. ein Kind bei seinem Papa übernachten darf oder ob der Umgang Freitag oder Samstag beginnt.

Es ist die Aufgabe der Eltern, den Umgang des Kindes einver­ständlich nach den Bedür­fnissen des Kindes zu regeln und möglichst spannungs- und konflik­tfrei zu gestalten. 

Benutzen Sie Ihr Kind nicht als Kommunikationsboten! Nicht Ihr Kind regelt den Umgang, sondern Sie als Eltern. Es kann Ihr Kind überfordern, wenn es zum Beispiel dem Papa sagen soll, dass es nächstes Wochenende nicht kommen möchte, weil ein Kindergeburtstag ansteht oder wenn es der Mama sagen soll, dass es in den Ferien länger beim Papa sein möchte. 

Kommt es zwischen Ihnen zum Streit über den Umfang und die Ausübung des Umgangs­rechts, so entsc­heidet das Familien­ge­richt auf Antrag eines Elter­nteils, wann und wie viel Zeit der andere Elter­nteil mit dem Kind verbringen darf. In Ausnahmefällen kann das Gericht einen beglei­tenden Umgang, bei dem der Umgang mit dem Kind nur in Anwesenheit eines Dritten stattfindet, anordnen. In einem gericht­lichen Beschluss wird – soweit ein Konsens vorher nicht erzielt werden konnte – für alle Betei­ligten verbindlich eine Umgangs­re­gelung festgelegt, die einge­halten werden muss. Halten sich die Eltern nicht an den Beschluss, kann das Gericht Zwangsmaßnahmen ergreifen und Ordnungs­strafen verhängen.

 

Recht neu ist das sogenannte Wechsel­modell. Das bedeutet, dass das Kind durch beide Elter­nteile zu grundsätzlich gleichen Teilen betreut wird. Dieses Modell wird aller­dings von den Gerichten in der Regel nicht gegen den Willen eines Elter­nteils oder gegen den Willen des Kindes angeordnet. Das Modell eignet sich nicht für hoch zerstrittene Eltern, da es voraus­setzt, dass die Eltern sich ständig über die Belange des Kindes austauschen und mitei­nander koope­rieren.
Anmerkung: Es gibt eine sehr aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofs zum Wechselmodell. Diese Entscheidung, Beschl. v. 01.02.2017, Az. XII ZB 601/15, hat sowohl in den Medien, bei der Fachwelt und vor allem Betroffenen zu Recht große Aufmerksamkeit erregt. Nach dieser Entscheidung kann das Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden, wenn es dem Kindeswohl entspricht. Ein Anspruch auf Einrichtung des Wechselmodells ist damit noch nicht gegeben. Über Einzelheiten berate ich Sie gern. 

 

 
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